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3 Zum pädagogischen Konzept

3 Zum pädagogischen Konzept

Das RUZ Hollen macht jeden Schultag Angebote zur Umweltbildung für die Schulen des Einzugsgebietes Stadt Delmenhorst und Landkreis Oldenburg, von der 1. bis zur 13. Klasse der allgemein bildenden Schulen und für die Klassen der berufsbildenden Schulen. Wir sind stolz darauf, schon seit längerem zu 100 Prozent ausgebucht zu sein.

Dabei steht im Grundschulbereich die spielerische Erkundung der Natur im Mittelpunkt. Bei Naturerfahrungsspielen, Walderkundungen, Nachspüren der Lebewesen in Boden und Kompost, bei alten Kinderspielen, Apfelsaftherstellung, Ernährungsrallye, beim Aufspüren von Energiekreisläufen und anderen Themen sind Spaß und positive Naturerfahrung wichtig, um die Neugier der Kinder zu wecken.
In den Klassen 5 – 10 der Orientierungsstufe und der Sekundarstufe I kommt es uns darauf an, den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, dass unsere Welt ein vernetztes System ist. Alles hängt mit allem zusammen. So werden z. B. ökologische Systeme wie Wald, Bach, Moor und Wiese an praktischen Beispielen vor Ort erkundet. Es ist übrigens über alle Altersstufen hinweg durchgängiges Prinzip, Wissen nicht mit Kreide und Tafel im Raum zu vermitteln, sondern es sich über eigenes Tun draußen vor Ort selbst anzueignen. Es wird durchleuchtet, welche Rolle der Mensch in diesen Ökosystemen spielt und was die Konsequenzen seines Handelns (Wirtschaft, Landwirtschaft, Energieverwendung, Abfall, Wasserverbrauch und Abwasser etc.) sind.

Im Übergang zur Sekundarstufe II werden diese Kenntnisse dann vertieft und es werden die globalen und lokalen Umweltprobleme schwerpunktmäßig aufgearbeitet, die uns heute Sorgen machen. Dabei kommt es uns darauf an, nicht Katastrophenpädagogik zu betreiben und die Schülerinnen und Schüler zu verunsichern. Zu jedem Problem werden Lösungsansätze aufgezeigt. Es wird aber auch deutlich, dass sich die Probleme nicht von allein auflösen werden, sondern dass wir alle unseren aktiven Beitrag zu leisten haben.

Seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung von Rio de Janeiro hat sich der Blickwinkel der Betrachtung auch im RUZ Hollen einschneidend erweitert. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung tritt immer mehr in den Mittelpunkt der Diskussion und damit neben ökologischen Fragen auch soziale und ökonomische Aspekte sowie Themen der Gerechtigkeit zwischen den Generationen, den Industrienationen und den Staaten der 3. Welt, zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft.

Diese Erweiterung des Blickwinkels fällt den Mitarbeitern im RUZ Hollen aber nicht schwer, da von Anfang an das Thema "Ökonomie und Ökologie" ein Schwerpunkt der Arbeit war. Dazu wurden vielfältige Projekte in Kooperation mit der Wirtschaft, der Verwaltung und den Verbänden vor Ort entwickelt, die teilweise in lokalen Betrieben durchgeführt werden. Deshalb ist das RUZ Hollen wohl auch mit einem 5-jährigen Projekt der Bund-Länder-Kommission für Bildungsfragen zum Thema "Schülerfirmen zwischen Ökonomie und Ökologie" im Rahmen des Programms "21 – Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" vom Land Niedersachsen betraut worden. Dieser Modul-Aspekt wird im Rahmen des niedersächsischen Programmanteils vom RUZ Hollen nur in seinem Einzugsgebiet durchgeführt. Im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wird seit Oktober 2001 unter Leitung des RUZ Hollen das zweijährige Projekt "Schülerfirmen im Kontext einer Bildung für Nachhaltigkeit" in den Bundesländern Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg" durchgeführt.

Seit 1997 ist das Umweltzentrum Hollen an einem Programm zur Energieeinsparung an Schulen in der Gemeinde Ganderkesee beteiligt, das von der Gemeinde, den Schulen und dem RUZ Hollen gemeinsam durchgeführt wird. Das Besondere an diesem Programm ist, dass in diesem Fall nicht Energieeinsparung mit Hilfe neuerer Technik auf Kosten der Steuerzahler betrieben wird sondern durch Verhaltensänderung. Die in der Schule lebenden Personen lernen und werden motiviert, sich energiesparend zu verhalten. Die eingesparte Summe ist inzwischen bereits bei 200.000 DM (Stand Ende 2001).

Auf Grund dieses Erfolges läuft in der Gemeinde Ganderkesee unter Federführung des Umweltzentrums Hollen seit Januar 2001 auch ein Modellversuch zur Erziehung von Kindergartenkindern in Richtung bewussten Umgang mit Energie. Es soll geprüft werden, ob auch an Kindergarten Verhaltenänderungen zu Energieeinsparungen führen können – ein unseres Wissens nach einmaliger Versuch.

Neben diesen Projekten versucht das RUZ Hollen auch, im Rahmen seiner Möglichkeiten Angebote für die breite Öffentlichkeit zu machen. So werden z. B. Kurse zur Streuobstwiese und zum Gartenbau angeboten. Das RUZ Hollen beteiligt sich auch schon von Anfang an am Prozess der lokalen Agenda 21 in der Gemeinde Ganderkesee und hat für seine Moderation des Prozesses im Jahre 1997 einen Sonderpreis des Umweltministeriums des Landes Niedersachsen erhalten.